Chronik der Wölfe

Chronik der Wölfe

TEIL III: DIE SILBERWÖLFE

"Hoch verehrter Magister Savant,

ich schreibe nur selten Briefe an Menschen, und noch seltener an Menschen die sich der arkanen Magie verschrieben haben, doch ich benötige Eure Hilfe. Sicher habt ihr selber bereits alle Hände voll zu tun um den Verwüstungen der Geißel Einhalt zu gebieten, doch eine ganz besondere Bedrohung steht uns kurz bevor. Diener der Geißel sind in das Land der Kaldorei eingedrungen und haben ein mächtiges Relikt entwendet, den 'Schattenmantel'. Er ist so mächtig, dass die Kaldorei ihn vor vielen tausenden Jahren in einen Tempel versteckten, eingeschlossen von meterdicken Steinmauern.

Das Wissen über dieses Artefakt war nur den Druiden und Priestern vorbehalten, und dennoch gelang es einer Gruppe Untoter, das Versteck ausfindig zu machen und den Schattenmantel zu stehlen. Sowohl ich als auch der Rat von Astranaar ist der Meinung, dass ein noch mächtigerer Hexenmeister die Untoten gesandt hat, um das Relikt für ein magisches Ritual zu benutzen. Den alten Aufzeichnungen der Priesterinnen zufolge, kann der Schattenmantel benutzt werden, um Schattenmagier aus der Dunklen Leere in unsere Dimension treten zu lassen, besonders wenn es durch eine bereits vorhandene Portalmagie kanalisiert werden kann.

Wir müssen schnellstens handeln und die Geißel aufhalten, bevor sie das dunkle Portal erreichen kann. Deshalb bitte ich euch, unseren alten Bund, die Gemeinschaft der Silberwölfe, wieder auferstehen zu lassen. Ruft diejenigen zu euch, die in den östlichen Königreichen leben, Zwerge und Menschen, Magier und Krieger, Paladine und Jäger. Ich selber werde unverzüglich nach Stormwind aufbrechen. Bis dahin versucht bitte alle Informationen über die Aktivitäten der Geißel zusammenzutragen.

Möge Elunes Segen eure Wege begleiten, in Hochachtung,

Corryn Traumweber"

Der Druide setzte noch seine Unterschrift unter den Brief und übergab ihm dann den Goblinpiloten, der einmal pro Tag mit seinem Wasserflugzeug an der Küste von Auberdine halt machte, um die Briefe für die Östlichen Königreiche abzuholen. Seit die Gnome sich bei ihren Entwicklungen mit den Goblins berieten, konnte man jeden Tag neue seltsame Maschinen in Kalimdor sehen. Es würde nicht lange dauern - dachte er bei sich selbst - bis die Gnome eine Maschine entwickeln würden, mit der sie sich vom östlichen Kontinent nach Kalimdor durchgraben konnten.

Aber bis es soweit war, benutzte er lieber die großen Handelsschiffe der Menschen, die sie in wenigen Tagen nach Menethil Hafen bringen würden. Keira, eine fähige Jägerin, war ihm vom Wächterrat aus Astranaar zugeteilt worden, und wartete bereits am Dock auf ihn. Nachdem sie in Menethil angekommen waren, war es noch ein weiter Weg bis in die Hauptstadt der Menschen.

Insgesamt sieben Tage brauchten die beiden Nachtelfen bis sie die verschneiten Gipfel Dun Moroghs erreichten. In der Hauptstadt Ironforge erwartete sie bereits eine Gruppe Zwerge, die sich gerade lautstark über die Vorzüge verschiedener Biersorten ausließen, als sich zwei Krieger aus der Gruppe lösten. Corryn erkannte die beiden sofort wieder. "Artag, Buldarimm, wie schön euch wiederzusehen." "Und was ist mit mir?", schallte es aus einer der hinteren Reihen. Der Druide versuchte, die verschiedenen Zwerge auseinander zuhalten, doch erst als sich einer der Zwerge von den anderen hochheben ließ, bemerkte Corryn ihn. "Tut mir leid, an dein Gesicht vermag ich mich nicht mehr zu erinnern. Ich schätze der lange Schlaf hat einige meiner Erinnerungen etwas zu tief vergraben." "Calamar bin ich, du großes, langohriges, blauhäutiges Etwas! Du willst doch wohl nicht sagen, dass du die tausenden Schlachten vergessen hast, in denen ich dir das Leben gerettet hab?"

Corryn überlegte kurz, konnte sich aber nicht an ein solches Ereignis erinnern. "Wird schon stimmen, wenn ihr das sagt, Calamar." entgegnete er ironisch. "Aber wir haben keine Zeit, lange über alte Zeiten zu sprechen. Wir müssen schnellstens nach Stormwind." "Zu Fuß sind es viele Tagesmärsche von hier," antwortete ihm Buldarimm, "die Gnomenbahn ist ja noch nicht fertig."

"Gnomenbahn?", entgegnete Keira und schaute die Zwerge fragend an. "Oh, ihr habt es wahrscheinlich noch nicht gehört," antwortete ihr Artag. "Die Gnome bauen seit einem Jahr an einem Tunnel von hier aus bis nach Stormwind." Ungläubig schauten sich die beiden Nachtelfen an. "Naja eigentlich haben die Gnome nur die Pläne gemalt, wir Zwerge graben. Aber es dauert halt noch ein paar Monate, bis die Untergrundbahn in Betrieb genommen werden kann."

"Sollte ich jemals mit dieser Bahn fahren müssen", meinte Corryn trocken, "werde ich erst einen Zwerg drauf setzen und nachschauen, ob er am anderen Ende auch wieder herauskommt." Die Zwerge lachten, kamen dann aber wieder auf den eigentlich Sinn ihres Treffens zurück. "Wenn wir nach Stormwind wollen, dann sollten wir sofort aufbrechen. Ich hoffe ihr seid für einen langen Marsch gerüstet, wir müssen durch die Brennende Steppe!"

Additional information