Chronik der Wölfe

Chronik der Wölfe

TEIL V: ENTFESSELUNG DER MAGIE

Am nächsten morgen brachen Corryn und Legata bei Durchbruch der ersten Sonnenstrahlen auf. Nach einer zweistündigen Wanderung trafen sie Savant, Keira und die drei Zwerge an einem Lagerfeuer an, wie sie gerade gebratenes Eberfleisch verspeisten und sich unterhielten. "Schau mich nicht so grimmig an," entgegnete der Magier, als er den Blick des Druiden bemerkte, "ich hab nur für das Feuer gesorgt, der Rest kam von den Zwergen." Die Zwerge lachten und boten den Beiden einen Platz am Feuer an. "Wahrscheinlich habt ihr recht," nahm Corryn die Einladung an, "es ist bereits viele Tage her, dass wir zuletzt gut gegessen haben."

Als sich zur Mittagszeit auch die letzten Wolken verzogen hatten, brachen die sieben wieder auf. Es dauerte nicht lange, da erreichten sie mit ihren Flugtieren eine kahle, braune Landschaft. "Das muss die verdammte Region sein, wo dieser wahnsinnige Medivh vor vierundzwanzig Jahren diese verfluchten Orks nach Azeroth gelassen hat!", schrie Artag den anderen zu. Der Krieger hielt Ausschau nach verdächtigen Bewegungen, konnte aber nichts erkennen.

"Erkennt ihr etwas da unten, Jägerin?", rief er Keira zu. "Nur Staub und Stein," kam die Antwort zurück. "Doch halt, ich sehe eine kleine Gruppe die sich schnell südwärts bewegt, dort unten, an dieser Weggabelung!" "Im Norden ist die alte Burg Nethergarde, ich frage mich ob dort noch Menschen leben." sagte Savant. "Dafür haben wir keine Zeit.", entgegnete Keira. "Am besten wir landen außerhalb ihrer Sichtweite auf dem Berg dort unten."

Die drei Greifen landeten diesmal problemlos auf den zerklüfteten Felsen des Bergmassivs, nur Corryn stieß zwei kurze Schreie aus und erhob sich dann wieder in die Luft. "Was macht er nun schon wieder?", fragte Calamar. "Den Feind ausspähen, würde ich sagen." mutmaßte Legata.

Die sechs Kämpfer beobachteten wie der Adler seine Kreise zog, langsam über die fremde Gruppe hinwegschwebte und schließlich in einem langgezogenen Bogen wieder zurückkehrte. "Es sind tatsächlich Untote," berichtete der Druide, nachdem er sich wieder zurückverwandelt hatte, "und sie haben es sehr eilig, zum zerstörten Portal zu gelangen. Wenn sie sich mit der jetzigen Geschwindigkeit fortbewegen, haben sie in zehn Minuten den Rand des Kraters." "Wieviele Gegner?", fragte Buldarimm, und wog seinen schweren Hammer bereits in den Händen. "Zehn Untote, aber ob Magier oder Krieger vermochte ich nicht zu erkennen." "Dann auf zum Angriff!", rief Artag, und stürmte mit einem lauten Kampfschrei auf den Feind zu. "Einer für jeden und der Rest für mich!"

Bevor Artag die Untoten erreicht hatte, hagelte bereits eine Ladung von Keiras Pfeilen auf sie herab, jedoch prallten die Geschosse an ihrem Magieschild ab. "Buldarimm und Calamar", rief Artag den seinen zwergischen Freunden zu, "jetzt oder nie!" Die beiden Zwerge stellten sich den Untoten in den Weg, beide ihre magischen Hämmer erhoben. "Siegel der Rechtschaffenheit, offenbare uns die Schwäche dieser unreinen Wesen!" "Heiliges Licht der Gerechtigkeit, fahre nieder und vollstrecke dein Urteil!"

Blitze schlugen aus den Hämmern und Flammen fuhren aus Untoten. Zwei Krieger stürzten sich auf die Zwerge, doch ihre Körper wurden von der Wucht der Hämmer zerschmettert bevor sie sie ereichen konnten. Artag spaltete einem weiteren Krieger den Kopf, während Legata sich von hinten an einen Hexenmeister herangeschlichen hatte und ihm mit ihrem Gift die Lebensenergie entzog. Savant beschwor einen magischen Sturm und ließ Meteore aus Feuer und Eis auf die Untoten niederregnen.

Es dauerte nicht lange, da lagen alle Untote regungslos am Boden. "Na also, und nun lasst uns das Artefakt nehmen und verschwinden!", forderte Calamar. Aber weder auf dem Boden noch in den Händen der regungslosen Untoten war der Mantel zu entdecken. "Dort läuft noch einer!", rief Keira, die einen Untoten-Kämpfer an der Steigung zum Krater entdeckte. "Nicht mehr lange," brummte Corryn und richtete seinen Stab auf den Flüchtenden. Wurzeln wuchsen aus dem Boden, wickelten sich um die Beine des Untoten und hielten ihn fest. Zwei Pfeile aus Keiras Bogen und ein Feuerball des Magiers erledigten den Rest.

Hastig eilte Corryn zu den verkohlten Überresten und suchte nach dem Relikt. Er fand es eingewickelt in einem einfachen Leinenbeutel, der jedoch anscheinend Meteorenstürme und Feuerball gut überstanden hatte. Gerade als er den Beutel an sich nehmen wollte, spürte er wie sich ihm die Atemluft entzog und er plötzlich mehrere Meter nach hinten geschleudert wurde.

Vor ihnen türmte sich eine etwa sechs Fuß große Gestalt auf, gewandet in dunkler Rüstung, in der rechten Hand einen langen Stab mit einem dunkelblauen Kristall an seinem Ende. Das Gesicht halb verborgen von einer Maske, blickte er stumm auf die Gruppe herab. Mit seiner freien Hand griff die Gestalt nach unten, packte den Schattenmantel und warf ihn sich mit einer Handbewegung über.

Kaum hatte der Hexenmeister den Umhang umgeworfen, verschwand er plötzlich, und im Krater war nur noch die flirrende Luft über dem warmen Gestein zu sehen. "Was soll das? Wir müssen etwas tun!", rief Artag. Die Zwerge begannen wild zu diskutieren. Doch Savant hob die Hand. "Haltet euch bereit, noch haben wir nicht verloren." Der Magier stellte sich an den Rand des Kraters und breitete die Arme aus. Ein sonderbares Geräusch erhob sich aus aus allen vier Himmelsrichtungen, als Savant lautstark die Elemente der Erde anrief.

Eine Windhose bildete sich nahe dem Portal und wurde mit jedem Moment stärker. Sand und Gestein wirbelten umher und alle außer Savant bedeckten ihr Gesicht um sich vor dem Wind zu schützen. Der Magier lachte laut auf. "Seht her, seht her, was die Kräfte der Natur vermögen. Der Scherge des Bösen, wie ein Wurm er sich windet!"

Als sie zum Portal blickten sahen sie tatsächlich, wie der dunkle Hexenmeister sich mit aller Kraft an einem Felsen festhielt und versuchte, mit seinem Stab ein Schutzfeld gegen die umherfliegenden Steine zu bilden. Der Sturm hatte ihm den Umhang entrissen und an den Rand des Kraters getragen, wo Savant ihn wieder in den Leinenbeutel packte und an sich nahm. "Jetzt lasst uns verschwinden", sprach er zu seinen Begleitern, "meine Kräfte haben stark nachgelassen und wir würden es nicht mit dem Feind aufnehmen können, sobald der Sturm vorüber geht."

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